Wir haben lange auf ihn gewartet. Gehofft, gesehnt und gezweifelt. Am Sonntag kam er endlich, der Regen. Alles, was in den letzten Wochen hätte peu a peu tröpfeln sollen, auf einen Schlag...
...Der Himmel grau und zerrupft, der Geruch von Feuchte in der Luft und eine grässliche Kälte, die selbst durch vorsorglich vielfach geschichtete Kleidung kriecht. Ein Tag, der nach Glühwein und nach einem guten Film verlangt. Die Gewissheit der Einzigartigkeit und die absehbaren Rückkehr von Sonnenschein und Himmelblau jedoch machten der Gemütlichkeit in den trockenen vier Wänden einen Strich durch die Rechnung. Drehbuchänderung. Wir brachen auf in Richtung Pazifik zum Año Nuevo State Park. Dort genießt man das Schauerwetter. Genauer gesagt, die in "südlichen Meeren vorkommende sehr große Robbe mit rüsselförmiger Schnauze", - die "dem amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung zufolge, (das am 1. August 2007 in Kraft getreten ist) und demzufolge in zusammengesetzten Wörtern die Buchstaben aller Bestandteile selbst dann erhalten bleiben, wenn drei gleiche Buchstaben aufeinanderfolgen" -, außer ihren bis zu 2455 kg noch stolze drei aufeinanderfolgende E (und ein weiteres) mit sich herumschleppt. Genau, es geht um den See-Elefanten! Über die Rechtschreibreform kann man sich streiten, über das Wetter ebenfalls. Tatsache ist, dass die See-Elefanten sich im grauen Nass pudel(?!)wohl fühlten.
Ob das wohl mit dem Tripel-Vokal zu tun hat? Da ließe sich vielleicht im Rahmen einer ausführlicheren Studie zum Leistungsverhalten von Balletttänzern und zur Effektivität von Ausschusssitzungen bei Unterwasser-Bedingungen studieren...
Für die besagten Riesenrobben war also die Regen-Party in vollem Gange. Wir beobachteten kleinere Rangeleien und ernsthaftere Auseinandersetzungen um die anwesenden Damen.
Diese räkelten sich am Strand, gingen ganz gelegentlich auf Tauchgang oder bewarfen sich gegenseitig mit Sand (offenbar als eine Art Sonnenschutz), machten einen Heidenlärm und schienen sich durch nichts den uns so trüb scheinenden Tag verderben zu lassen.
Wenn da nicht diese Krähen gewesen wären. Die frechen schwarzen Vögel hüpften durch die See-Elefantenkolonie und hatten nichts Gutes im Sinn.
Unglaublich, da flatterte diese neben den massigen Robben winzig scheinende Krähe auf den Rücken eines patenten See-Elefanten-Männchens, das einen Menschen umgewalzt hätte, ohne mit der Wimper zu zucken. Haben See-Elefanten überhaupt Wimpern?
Jedenfalls hüpft diese Krähe auf den Koloss und pickt ihm in den Nacken! Irgendwie erinnert mich die Szene an David und Goliath. Nur dass David doch der Gute war, oder? Was von nicht von der Krähe sagen kann. Der See-Elefant sieht nicht, wer ihn da so peinigt. Er reckt den Kopf. Vielleicht vermutet er einen Rivalen. Aber da ist niemand. Er wälzt sich ein paar Meter weiter und versucht, seinen Nachmittagsschlaf fortzusetzen.
Doch der gemeine Vogel hüpft ihm schon hinterher und wird sein bösartiges Treiben gleich noch mehrmals wiederholen!
Selbst der Park-Ranger war sprachlos. Krähen gelten ja als äußerst intelligente Tiere. Als solche stehen sie uns Menschen scheinbar näher als mancher Affe. Das bringt mich zu einem traurigen Schluss: Vielleicht sind wir Menschen ja nicht die einzigen auf dem Globus, deren Tun gelegentlich, selbst nach extensiven Rechtfertigungs-Bemühungen, am Ende leider doch als pure Boshaftigkeit bezeichnet werden muss.
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