Freitag, 31. Juli 2015

Once upon a time in Bodie…

Ich bin mir nicht sicher, ob es etwas Europäisches ist, dieses Interesse an Vergangenem, der Hauch der Geschichte, der Reiz des Verfalls. Jedenfalls haben wir jede Menge Franzosen und Deutsche gesehen, in der Geisterstadt Bodie…
…Es ist genau so, wie man es sich vorstellt - staubig, monochrom und etwas gruselig, wie in einem alten Film. Das Gestern hinter rauchigem Glas, in rostigem Blech, verwitterten Holzplanken, verschnörkelten Lettern und verjährten Jahreszahlen auf schiefen Grabsteinen.
Als wir dort waren, schien die Sonne unbarmherzig in das blassgrün-braungraue Szenario vor einem wolkenlos blauen Himmel. Aber es kann bitter kalt werden in der Goldgräberstadt, die ihre kurze Blüte Ende des 19. Jahrhunderts während des kalifornischen Goldrausches erlebte und nun als nostalgisches Zeugnis vergangenen Geistes neugierige Besucher in ihren Bahn zieht. 

Tatsächlich scheint hinter milchigen Fensterscheiben, vor abgeblätterter Tapete, zwischen scheinbar gerade eben abgestellten Tassen und der aufgefalteten Zeitung von 1947 die Vergangenheit aufzuerstehen. Als ob sie gleich aus dem Zwielicht der offenen Zimmertür erscheinen und wie gewohnt ihren Tagesgeschäften nachgehen wollten, die Geister von damals. Dabei sind sie längst verschwunden, mit dem Versprechen des Goldes, das hier viele Enttäuschte vergeblich suchten und nur einige wenige Glückliche tatsächlich fanden. 
Bodie scheint damals eine Stadt von beachtlicher Größe gewesen zu sein, mit Schule, Hotel, Bar und Tanzlokal, mit Bank und Gefängnis. Leider hat ein verheerendes Feuer davon nur weniges übrig gelassen. Das Gefängnis ist aus Holz gebaut, das Alkoholdepot aber aus Stein - klare Prioritäten eben.



Ein Glück, dass die Einwohner Bodies solche Umweltsünder waren und alles achtlos wegwarfen. Heute wäre so ein Benehmen als unverantwortlich verschrieen. Die Unachtsamkeit von damals aber lässt die Vergangenheit heute für uns auferstehen.
Was hinterlassen wir wohl zukünftigen Generationen? Einen Haufen digitalen Müll? Viel hat sich ja nicht geändert. Immer noch suchen wir nach Gold, besonders in Kalifornien. Aurum wurde von Silizium abgelöst, für die Halbleiterindustrie ab den 60ern. Diese wiederum wichen den Dot Coms und schließlich den Adds. 
Was kommt als nächstes? Vielen sagen, ein Erdbeben. Kalifornier sind ein eigentümliches Volk, das sich hartnäckig jeder simplistischen Definition entzieht. Eine Mischung von Ethnien, Sprachen und Kulturen. Risikofreudig und unkonventionell. In Flip-Flops und ohne Schlips und Kragen unterwegs. Everybody is doing well - heute so wie gestern und wohl auch morgen wieder - so sagen sie jedenfalls. 
 
Die Bodie mag dem Staub der Vergangenheit angehören, aber der Goldgräbergeist lebt weiter in Kalifornien. Allen winkt das große Glück, aber nur wenige finden es tatsächlich. Oder ist es vielleicht gerade jener Geist, das Abenteuer, der kalifornische Traum, nach dem wir alle zu haschen versuchen? Dabei zu sein, wenn etwas Großes geschieht? Wenn ab und zu die ganze Welt den Atem anhält und auf die Bucht bei San Francisco schaut, wo täglich Ideen geboren werden, die den Planten verändern.

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