Freitag, 10. Juli 2015

Kleine Chronik: Annecy - Santa Clara

Drei Jahre sind es her, dass auf einem tiefblauen, gipfelgesäumten Gebirgssee in den französischen Savoyen unser gemeinsames Abenteuer seinen Ausgang nahm. Damals habe ich weder die Mammutbäume am Ufer wahrgenommen, noch die wohl intendierte Reminiszenz an ihre majestätischen kalifornischen Verwandten, die wir gerade dieser Tage wieder bestaunten…
…Meine Aufmerksamkeit war ganz gebündelt auf die Antizipation eines nasskalten Ausgangs unserer Tretbootfahrt auf dem Lac d'Annecy und auf Paul, der nämlich ununterbrochen in seiner hinteren Hosentasche kramte und drohte, dadurch unser in den glitzernden Wellen immer stärker schaukelndes Bötchen zum kentern zu bringen. Weiterhin tendiere ich dazu, den Wogen des Alltags eher mit Sorge und Zurückhaltung zu begegnen, während Paul wie damals schon, stets meine Bedenken über Bord wirft und meine Verwirrung dazu ausnutzt, mit unerwarteten Überraschungen aufzuwarten. Wie schon auf dem Lac d'Annecy, als er den Ring dann endlich in den Untiefen seiner Jeans gefunden hatte, bevor unser Tretboot in den Untiefen des Sees versinken konnte. Und die Idee einer Zukunft auf dem Grund eines malerischen Gebirgssees in den Hochsavoyen transmutierte ad hoc zur Vorstellung einer gemeinsamen Zukunft mit Paul in Kalifornien. Er war, ist und bleibt eben ein Meister der Überraschung.
Seit dieser Tretbootfahrt scheint eine halbe Ewigkeit vergangen zu sein. Wir haben inzwischen nicht nur den zivilen Stand, sondern auch das Land, gar  den Kontinent, die Sprache, das Klima, den Job und wer weiss was noch alles gewechselt. Ich habe außerdem angefangen, die Wogen und Wellen zu lieben. die sprichwörtlichen - beim Surfen - wie die bildlichen.
Auch das Land der Sterne und Streifen hatte neulich Jubiläum - und würde, wenn es könnte, über derlei Gedanken zu meinen drei vergangenen Ehejahren wohl lediglich gelassen lächeln. Nur wenige können sich zu ihrem zweihundertneununddreißigsten Geburtstag noch jung wähnen. Meine Wahlheimat hat sich gebührend feiern lassen, mit viel Weiss, Rot und Blau, BBQs und natürlich mit Feuerwerk. Party für eine junge Nation. 11 Lenze sind es noch bis zum Viertel Jahrtausend.
Wir waren wandern. Mit 101 Ansichten der Golden Gate Brücke und der Skyline von San Francisco. Abends haben wir mit französischem Cidre angestoßen und eine kleine Torte gab es auch. Nicht so ganz amerikanisch. Es sei uns verziehen, schließlich zollen wir auch dem Hexagon Tribut und sind nur adoptiert im Land der Sterne und Streifen!

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