Dienstag, 30. Oktober 2012

Im Geisterschiff auf zur Schatzinsel


Ob nun, um dem einfallenden Herbst zu trotzen oder um einfach mal wieder eine Gelegenheit beim Schopf zu packen, aus seiner eigenen Haut in eine andere, bzw. in eine Verkleidung zu schlüpfen, Halloween wird hier ausgiebig zelebriert, ganz besonders in der Schwulenszene, aber nicht nur dort. Eine der vielen Partys, bestimmt eine der größeren, fand unter dem Motto "Ghost Ship" letzten Samstag auf Treasure Island statt, einer ehemals vom Militär genutzen Insel, unter der Bay Bridge, genau zwischen San Francisco und Berkeley. Freunde hatten bereits Karten und nahmen uns mit ins Boot Geisterschiff...
Auf der Insel angekommen, winkten uns riesige Hasen in den richtigen Parkplatz. Wir folgten dem Zug von sexy Polizistinnen und Soldatinnen, Scharen von Einhörnern, Feen, Hexen, Piraten, Vampiren, Zombies, Bienen, Schlümpfen und weitere Fabelwesen in eine riesige Halle mit halbrundem Dach, um dort einzutauchen in eine bizarre Welt aus elektronischen Klängen und Neolicht. Skurile Konstruktionen, meist irgendwelche Gefährte, luden ein zum Bestaunen, aber auch zum Reinklettern, Hochsteigen oder Draufsitzen. Gewissermaßen eine Art interaktive Ausstellung mit Musik, die im Laufe der Nacht von mehrere Tausend Menschen besucht wurde.

Alle kamen verkleidet. Manche in Gruppenkostümen. Paul und ich hatten vielleicht keine besonders originellen, jedoch vor allem bewegungsfreundliche Kostüme gewählt - Karotte und Aubergine. Jedenfalls waren wir das einzige Gemüse weit und breit, soweit ich das im Blick hatte :-) So ganz sicher kann ich das jedoch nicht sagen, da es schwer war zwischen den 5 oder 6 Bühnen, auf denen verschiedene Bands und DJs auftraten, den Überblick zu behalten. Jede Bühne hatte dann wieder ein Unterthema: Eine war ganz im Stil von "Dia de los Muertos" dekoriert. Bei einer anderen tanzte man zur Musik über schnurlose Kopfhörer, die man am Eingang ausgehändigt bekam. Wenn man zwischendurch die Kopfhörer abnahm, tanzten um einen herum die anderen synchron zum Rhythmus der Stille. Silent Frisco.

Sogar Akrobatik wurde geboten - sowohl von Laien als auch von Profis. An von der Decke herabhängenden Seilen konnten Piraten zum Entern ausschwingen oder Bienen ihre Flugübungen machen. Da mußte man schon aufpassen, dass man nicht plötzlich einen Piratenstiefel oder einen Bienenflügel im Gesicht hatte, während man gebannt die grazilen Figuren, Drehungen und Saltos verfolge, welche verschiedene Luftgymnastinnen in schwindelnder Höhe am Reif oder am Band fabrizierten.

Das Ganze ist anscheinend eine Reminiszenz auf Burning Man, ein Rave Festival, das alljährlich Ende August in der Wüste Nevadas stattfindet und hier in SF seine Wurzeln hat. Der Vorgeschmack hat uns überzeugt. Kostümideen haben wir reichlich. Falls wir Karten bekommen, schlucken wir nächsten Sommer Wüstenstaub in Nevada!

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