Montag, 15. Oktober 2012

Garten-Variationen

 Silicon Valley in der Spätnachmittagssonne
Sonntag nachmittag. Die Sonne schaut schon von der Seite und tunkt alles in goldenes Licht. Unterwegs zum Joseph D. Grant County Park, lassen wir Silicon Valley hinter uns und erklimmen das Hügelland - den "Horizont" unseres Avocado-Baums...
In unmittelbarer Nachbarschaft der IT- und High Tech Region, nur 40 Autominuten südöstlich der "Zukunft", tauchen wir ein in die Vergangenheit. Der Park Ranger. Sonst keine Menschenseele.
Wegstation von 1918: erst Schmiede - später Tankstelle - heute Ruine
Das waren noch Benzinpreise!
Das Licht ist perfekt für Fotos - ich halte mich nicht zurück. Als ich hinterher über die Bilder schaue, fällt mir auf, dass wir drei verschiedene "Gärten" erkundet haben.

Ein Garten ist ja immer eine kleine Welt für sich: über ein Tor zu betreten, eingegrenzt von einem Zaun, geordnet durch Beete und Wege, mit einer Wasserstelle, groß oder klein, bewohnt oder verlassen, zahm oder wild. Als Heterotopien im Foucaultschen Sinne sind Gärten anscheinend in der Lage, mehrere Räume an einem einzigen Ort zu vereinen und zueinander in Beziehung zu setzen. Spannend! Nun denn:
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.
Rabindranath Tagore (1861-1941)
Der erste Garten hat gar kein Gartentor - wir bleiben Zaungäste. Wird hier wohl etwas ein- oder ausgezäunt?! Ein altersschwaches Holzkonstrukt und dahinter verdörrtes Stachelzeug, könnte man nüchtern meinen. Mich entzückt der Charme moosumrankter Zaunlatten, hinter denen sich wilde Karden räkeln.
Gartenzaun Variation Nr. 1
   
Lange bleiben wir nicht, aber nur ein paar Schritte weiter finden wir das zweite Garten-Szenario, welches wir nicht nur von außen sondern auch von innen erkunden können. Durch dieses Tor betreten wir die weiß-rosa-zartgrüne Welt.
Gartenzaun Variation Nr. 2
   
Drinnen führen Pfade durch Wogen von Rosarot in sämtlichen Nuancen und durch zart-duftende Schwaden, hin zum silbern glitzernden, klingelnden Nass, das sich in der Mitte erhebt. Wenn die Sonne genau dahinter steht, regnet es Diamanten.

         
In jede Blüte riechen. 
Der Tropfensymphonie lauschen. 
Sonnenstrahlen zählen. 
Verweilen.

Ganz anders die dritte Garten-Variante: Aus Grün-Rot-Weiß wird Grün-Gelb-Blau.
Gartenzaun Variation Nr. 3
       
Auf den ersten Blick scheint dieser "Garten" wilder als die zwei vorigen, ...
rot - grün - gelb - blau
...hat aber seine romantische Seite!

Auch hier: Zäune, Tore, Wege, Wasser und eine Bank. Mehr Bäume als Blumen - andere Dimensionen. Hügel und Täler, Licht und Schatten - mehr Dimensionen. Ein Observatorium erhebt sich gleißend weiß am höchsten Punkt der Hügellandschaft.
   
mise en abime
Und welcher ist mein Lieblingsgarten? Die beste aller Welten? Nun ja...
Tous les événements sont enchaînés dans le meilleur des mondes possibles ; car enfin si vous n’aviez pas été chassé d’un beau château à grands coups de pied dans le derrière pour l’amour de mademoiselle Cunégonde, si vous n’aviez pas été mis à l’Inquisition, si vous n’aviez pas couru l’Amérique à pied, si vous n’aviez pas donné un bon coup d’épée au baron, si vous n’aviez pas perdu tous vos moutons du bon pays d’Eldorado, vous ne mangeriez pas ici des cédrats confits et des pistaches.
– Cela est bien dit, répondit Candide, mais il faut cultiver notre jardin.
Voltaire, Candide ou l'Optimisme
Bevor ich anfangen kann zu gärtnern, habe ich demnach noch allerhand zu tun. Gerade hätte ich die Inquisition hinter mir und befände mich jetzt zu Fuß unterwegs in Amerika, wo ich demnächst irgendwann auf den Baron träfe. Davor sollte ich mich wohl besser etwas mit Schwertkampf befassen... - Aber nun zu etwas völlig anderem:
Pleitegeier?!
Auf der Rückfahrt erspähte uns dieser schräge Vogel vom Straßenrand. So aus nächster Nähe hatte mich noch nie ein Geier in freier Wildbahn gesehen :-)

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